Ziemlich beste Freunde

7. Mai 2012 9.368 Aufrufe 0

5 von 5 Sternen

  • Action
  • Spannung
  • Anspruch
  • Humor

Ziemlich beste FreundeOriginaltitel: Intouchables
Genre: Komödie, Drama
Produktionsland: Frankreich
Erscheinungsjahr: 2011
Länge: 112 Minuten
Altersfreigabe: FSK 6
Regie: Olivier Nakache, Éric Toledano
Schauspieler: EFrançois Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny u.a.

Philippe (François Cluzet) hat alles, was man sich nur wünschen kann: Er leitet die Geschäfte eines erfolgreichen Champagner-Herstellers und lebt mit der Liebe seines Lebens zusammen. Doch binnen kurzer Zeit wird sein Dasein durch gleich zwei Schicksalsschläge aus den Fugen gerissen. Nun gelähmt im Rollstuhl sitzend, ist er rund um die Uhr auf fremde Hilfe angewiesen. Ein Schicksal, was den meisten Menschen Alpträume bereitet, wird für ihn Realität. Um einen Menschen zu finden, den man als Vollzeit-Pfleger zu akzeptieren bereit ist und der gleichzeitig auch noch ungezwungen, entspannt, ja sogar ein lustiger Zeitgenosse ist, braucht es schon einen echten Glücksfall – wie Driss (Omar Sy)…

Filme, in denen zwei Welten in Form von zwei Menschen aufeinander prallen und sich nach großen Annäherungsschwierigkeiten schließlich schätzen lernen und ergänzen, gibt es zuhauf. In der Regel leben diese Filme von einer besonderen Überzeichnung beider Pole, was dann in recht absurden Komödien oder eher kitschigen “Prinz & Mauerblümchen”-Geschichten endet. Basierend auf einer wahren Begebenheit, die im Jahr 1993 ihren Anfang nahm, schafft es “Ziemlich beste Freunde” allerdings, Klischees zu vermeiden und stattdessen die Geschichte einer tatsächlich faszinierenden Freundschaft zu erzählen. Der Film gewinnt den sozialen Unterschieden beider Protagonisten viele lustige Begebenheiten ab, die von vorn herein Driss’ Ungezwungenheit und Philippes Offenheit leben. Es kommt hier eben nicht zu irgendwelchen Aha-Effekten, nach denen sich plötzlich alle ganz doll lieb haben, sondern das Verhältnis der Figuren basiert nahezu von vorn herein auf gegenseitigem Respekt und klaren Haltungen. Hier wird niemand als zu engstirnig oder zu dödelig präsentiert, sondern die glaubhafte Annäherung zweier Lebensauffassungen beschrieben. Und dass das dann verdammt spaßig werden kann, liegt in der Natur der Sache.

Den Regisseueren Olivier Nakache und Eric Toledano ist auf diese Weise ein nicht nur höchst erfolgreicher, sondern auch sozial sehr anspruchsvoller, berührender und gleichsam unterhaltsamer Film gelungen, der zeigt wie engst selbst zwei eigentlich grundverschieden wirkende Menschen letztlich doch beieinander sind. Die 105 Minuten vergehen wie im Flug, obwohl sie im Wesentlichen nur von 4 bis 6 Schauspielern getragen werden. Man kann sich dem Charme der Emotionen, die sich allein auf dem Gesicht von François Cluzet abspielen, kaum entziehen, ebenso wenig der lockeren, aber nie überdrehten Art, mit der Omar Sy seine Rolle spielt. Ein echter Hingucker ist darüber hinaus die bildschöne Audrey Fleurot, die wahrscheinlich nur Driss den Kopf verdreht. Und darüber hinaus bekommt man einfach viele wunderbare Bilder zu sehen und Klänge zu hören, die das Leben atmen, aber nie zu melancholisch sind.

Nicht umsonst war und ist “Ziemlich beste Freunde” an den deutschen Kinokassen einer der erfolgreichsten Filme der letzten 10 Jahre. Anfang Januar gestartet, hatten ihn selbst einige Kinos großer Ketten noch nach Monaten im Programm. Selten wurde das menschliche Dasein mit allem, was das Leben lebenswert macht, so humorvoll und praktisch ganz nebenbei, ohne erhobenen Zeigefinger, reflektiert – mit Hilfe von genau dem, was jeden Menschen erfüllt: einer richtig guten Freundschaft.

  • Zum Ablachen
  • Zum Nachdenken
  • Für die ganze Familie

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